Technik die zu einfach ist

Heute will ich mich mal kurz ueber ein Thema auslassen, das mir seit geraumer Zeit im Kopf rumgeistert. Ich fahre ja, wie Ihr sicherlich wisst, relativ viel mit der Bahn. Mit der Zeit habe ich dort auch meinen Stammplatz gefunden. So sitze ich immer am Ende des Zuges im letzten Wagon wo auch die Fahrraeder sind wenn man reinkommt gleich links in der Ecke. Dort ist oft nicht soviel los wie in den anderen Wagons und Abteils.

Was dort aber ist, ist die Toilette. Wo man den Zugdesignern einen Pluspunkt geben muss: Sie ist gross und geraeumig. Vom single Rollstuhlfahrer bist zu 15 Tuerken die kiffen wollen passt alles rein.

dsc01355-webdoor.jpg

Was aber 90% der Besucher nicht verstehen, ist die Technik, wie die Tuer zu verschliessen und zu verriegeln ist. Auf dem Bild oben faengt das Problem bereits an, obwohl es sehr einleuchtend ist. Man sieht einen grauen Kreis, einen roten Punkt und ein gruenes Viereck. Der graue Kreis ist die Aussparung fuer den Bahn-typischen vierkant zum manuellen sperren oder entsperren der Tuer. Der rote Punkt ist eine Lampe die aufleuchtet, wenn die Tuer verriegelt ist, und hinter dem gruenen Viereck verbirgt sich ein Taster, der die Tuer oeffnen oder schliessen laesst.

Ist doch eigentlich alles ganz logisch, oder? Trotzdem druecken 50% aller Leute verwirrt auf den roten Knopf und wundern sich das nichts passiert. Erst auf den zweiten Blick finden sie den gruenen. Ich glaube das ganze – auch mit der Farbe rot – kann man sehr gut psychologisch erklaeren, aber ich hab da keine Ahnung von, das is die Aufgabe von jemand anderem.

In der Toilette dann befindet sich auf der linken Seite an der Wand ein recht selbsterklaerendes Feld:

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Ich finde dem ist nichts weiter auszusetzen. Aber interessant ist es nun zu beobachten, was der unbedarfte Toilettengaenger tut sobald er die Tuer geoeffnet hat. Er dreht sich naemlich um, und versucht an der Tuer selber diese zu schliessen. Oft wird dafuer der Griff in die Hand genommen u versucht diesen zur Seite zu ziehen. Gerade von aelteren Damen auch bevorzugt mit Gewalt. Die Tuer geht auch nach einer gewissen Zeit automatisch zu. Wenn die Besucher bis dahin das Buttonfeld nicht gefunden haben, verrichten ueber 2/3tel ihre Notdurft ohne die Tuer zu verriegeln, was doch haeufiger zu witzigen Situationen fuert wenn die Tuer dann von jemand anderem geoeffnet wird.

Viele drehen sich dann aber auch suchend um, und gucken wie sie die Tuer zubekommen. Manchmal wenn ich es nicht aushalten kann und schier verrueckt werde weil die Tuer immer auf und zu geht sage ich auch „Links, erst in der Mitte und wenns blinkt unten zum verriegeln“. Aber auch von den Toilettenbesuchern die das Buttonfeld gefunden haben druecken viele zuallererst oben, was keine Auswirkung hat, da die Tuer noch offen ist. Ueber 40% gehen dann von dem Buttonfeld wieder wech und die Tuer schliesst von alleine u es wird die Vorrausstzung zu besagten witzigen Situationen geschaffen.

Viele finden den Button zum schliessen, aber nicht zum verriegeln was oft zur Folge hat, dass die Tuer zu und wieder auf und wieder zu und wieder aufgeht. Ich glaube einige schliessen auch die Tuer ueber das Buttonfeld und gehen anschliessend zur Tuer und druecken dort auf einen Knopf den sie als zu verriegeln vermuten, dieser dann aber die Tuer wieder oeffnet.

Es sind nur 20% aller Toilettengaenger die die Tuer nicht nur schliessen, sondern auch verriegeln. Interessant ist, dass diese Gruppe vor allem aus Zugbegleitern, behinderten Menschen und Gaesten der ersten Klasse besteht…

So, nu hab ich mich aber genug ausgelassen. Noch zwei Dinge zum Schluss:

1. Michael hat bereits vor einiger Zeit ein Bild seiner Lieblingstasse gepostet. Musste ich grad dran denken als ich mir Kaffee gekocht hab vor dem schreiben dieses Posts:

dsc01399-webcup.jpg

2. Deutsche Bahn: wenn Ihr das lest und findet dann will ich Geld von euch fuer diese Beobachtung haben. Und damit Ihr es findet hier noch ein bisschen, hm.. Deutsche Bahn, Toiletten, DB, WC, behindert, behinderten gerecht, Technik, Knoepfe, Blinken, Blinklicht, verriegeln, schliessen, problem, usability, studie …

prego

/me... prego!

7 thoughts to “Technik die zu einfach ist”

  1. Das gibt ganz witzige Usabilitytests im Softwaredesign. User werden hingesetzt und die Entwickler duerfen beobachten, aber nicht eingreifen. Das sind Momente zum schier wahnsinnig werden.

    Mir faellt es – nicht nur in obiger Situation – sondern auch wenn andere Leute irgendwas suchen am Rechner, was machen wollen und dabei irgendwie hilflos sind, unglaublich schwer, mich zurueck zu halten und nicht in irgendeiner Form einzugreifen

    Ich geh nicht in Zuegen auf Toiletten, aber ich muss sagen, dass das Design nicht unbedingt benutzerfreundlich ist. Ein guter alter Tuergriff ist simpler und intuitiver.
    Ich mein, viele Leute kapieren ja noch nicht mal die halbautomatischen Tueren in Krankenhaeusern, wo links oder rechts im Gang neben der Tuer ein „Buzzer“ ist um die Tuer zu oeffnen, sondern heben sich ’nen Bruch mit diesen schweren Brandschutztueren.

  2. User werden hingesetzt und die Entwickler duerfen beobachten, aber nicht eingreifen. Das sind Momente zum schier wahnsinnig werden.

    alleine beim lesen werde ich das auch schon :mrgreen:

  3. naja, wirklich intuitiv sieht das beim besten Willen nicht aus. Ein einfacher Griff (wenn auch mit Technik dahinter) macht die Sache sicherlich um einiges einfacher. Erst recht fuer aeltere Leute die schon froh sind wenn sie ihren Fernseher noch bedienen koennen.

    Und Usabilitytest sind wirklich grausam. Musste das auch schon ein paar mal erleben. Fuer einen selbst ist das immer super einfach und selbsterklaerend, aber gerade technikunbedarfte Leute sehen das meistens dann wieder sehr viel anders. Ich kann dann dabei auch selten zugucken wenn sie dann in der von einem selbstgeschriebenen Software rumgurken. Das macht mich immer voll nervoes.

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